Entscheidungsregeln im Führungstandem

Ratgeber · Entscheidungen

Kurz erklärtEntscheidungsregeln im Führungstandem legen fest, welche Entscheidungen allein, welche gemeinsam und welche mit Rückversicherung getroffen werden – und vor allem, was bei Uneinigkeit passiert. Diese Dissens-Regel ist der wichtigste einzelne Baustein geteilter Führung.

Warum Entscheidungsregeln alles entscheiden

Wenn ein Tandem scheitert, dann fast immer an einer einzigen ungeklärten Frage: Wer entscheidet, wenn wir uns nicht einig sind? Solange diese Frage offen ist, lädt sich jede Sachfrage mit der Machtfrage auf. Entscheidungsregeln nehmen dieser Dynamik die Grundlage – sie sind das Rückgrat jeder funktionierenden geteilten Führung.

Drei Entscheidungsarten

ArtWer entscheidetBeispiel
Allein-Entscheidungdie zuständige PersonTagesgeschäft im eigenen Bereich
Gemeinsame Entscheidungbeide zusammenStrategie, Budget, Personal
Rückversicherungeine, mit Info an die andereGrenzfälle, Eilfälle
Drei Entscheidungsarten im Führungstandem

Der Trick liegt darin, die gemeinsame Kategorie bewusst klein zu halten. Je mehr ihr gemeinsam entscheiden müsst, desto langsamer und konfliktanfälliger werdet ihr.

Der Dissens-Mechanismus

Die wichtigste Regel ist die für den Fall, dass ihr euch bei einer gemeinsamen Entscheidung nicht einig seid. Mögliche Mechanismen:

  • Themen-Hoheit: Bei Patt entscheidet, in wessen Kernbereich das Thema fällt.
  • Vertagung mit Frist: Kurze Bedenkzeit, danach zwingend Entscheidung nach vorab gewählter Regel.
  • Externe Instanz: Bei Grundsatzfragen ein vereinbarter Dritter (z. B. Beirat).

Aus meiner Praxis

Die wichtigste Zeile in unserem eigenen Tandem-Dokument war die Dissens-Regel. Nicht, weil wir sie oft gebraucht hätten – sondern weil ihre bloße Existenz jede hitzige Diskussion entschärft hat. Man streitet anders, wenn man weiß, dass es einen Ausweg gibt.

Schriftlich festhalten

Regeln, die nur im Kopf existieren, sind im Streit wertlos – dann erinnert sich jeder anders. Haltet eure Entscheidungsregeln schriftlich fest, solange ihr euch einig seid. Genau dieses Dokument erarbeiten Tandems im Tandem-Startworkshop.

Häufige Fragen

Ist es nicht unpartnerschaftlich, eine Letztentscheidung festzulegen?

Im Gegenteil. Die Regel schützt die Partnerschaft, weil sie verhindert, dass jede Uneinigkeit zur Machtprobe wird.

Wie oft braucht man die Dissens-Regel?

Selten – aber ihre Existenz wirkt permanent, weil sie Diskussionen entspannt.

Können wir die Regeln ändern?

Ja, und das solltet ihr regelmäßig prüfen. Wichtig ist nur, dass sie im Ernstfall feststehen.

Quellen & weiterführende Literatur

  • Pearce, C. L. & Conger, J. A. (2003): Shared Leadership. Reframing the Hows and Whys of Leadership. Sage.
  • Carson, J. B., Tesluk, P. E. & Marrone, J. A. (2007): Shared Leadership in Teams. Academy of Management Journal, 50(5), 1217–1234.
  • Wang, D., Waldman, D. A. & Zhang, Z. (2014): A meta-analysis of shared leadership and team effectiveness. Journal of Applied Psychology, 99(2), 181–198.

Wie dieser Beitrag entstanden ist

Dieser Beitrag beruht auf meiner eigenen Erfahrung als Führungskraft im Job-Sharing-Modell und in 15 Jahren Führung im Banking sowie auf der etablierten Forschung zu Shared Leadership (siehe Quellen). Wo ich aus der Praxis spreche, ist das gekennzeichnet.

Amrit Rescheneder

Über die Autorin

Amrit Rescheneder

Expertin für Co-Leadership

Amrit Rescheneder begleitet Organisationen und Führungstandems beim Aufbau geteilter Führung. Sie hat selbst jahrelang im Job-Sharing-Modell geführt – nach 15 Jahren Führungsverantwortung im Banking. Sie kennt geteilte Führung aus der Praxis, nicht aus dem Lehrbuch.

  • 15 Jahre Führungsverantwortung im Banking
  • Mehrere Jahre selbst im Führungstandem geführt
  • Begleitung von Organisationen & Führungsduos

Mehr über mich →

25. Juli 2026

Nach oben scrollen